Felices Pascuas – Frohe Ostern

Hallo ihr,

da ich schon eindeutig zu lange meinen Blog nicht mehr aktualisiert habe (Entschuldigung dafür, wird hoffentlich nicht mehr vorkommen 😉 ), dachte ich mir, dass Ostern eigentlich die perfekte Gelegenheit wäre, mal wieder etwas über das Leben hier in Bolivien zu schreiben.

Eigentlich hatte ich geplant über den Carneval de Oruro – den angeblich 2. größten Karneval der Welt – zu schreiben. Am Faschingsfreitag wollten wir eigentlich nach Oruro aufbrechen, wo mit riesigen Umzügen und traditionellen Tänzen tageland wild und bund gefeiert wird. Leider waren in Bolivien aber schon die ganze vorhergehende Woche Bloqueos (Straßenblockaden) und während in allen übrigen Städten über Karneval die Streiks pausiert wurden, ging es in Cochabamba leider jedoch erst richtig zur Sache. Grund für die Bloqueos war eine Erhöhung der Steuer für Schwertransporte. Und während freitags aus ganz Bolivien die Schaulustigen nach Oruro pilgerten, erleichtert, dass die Bloqueos pausiert wurden, mussten die Cochabambinos und wir, die aus Independencia schonmal nach Cochabamba angereist waren, leider hinnehmen, dass die Lkw-Fahrer auch weiterhin gegen die Steuererhöhung demonstrierten und niemand die Stadt verlassen konnte.
Da man leider den bolivianischen Nachrichten nicht entnehmen konnte, wie die Bloqueos sich entwickeln, ob zu Fuß ein Durchkommen war oder ob sie überhaupt noch stattfanden, fuhr ich mit ein paar deutschen und bolivianischen Freunden Samstagmorgen mit einem Taxi bis dahin, wo man eben mit dem Auto hinkam und lief dann weiter. Unterwegs trafen wir auf verwaiste Mautstationen mit komplett eingeschlagenen Fenstern und jede Menge Menschen, die wie wir liefen oder warteten. An einem Ort, wo sich viele Reisebusse an den Rand gestellt hatten, warteten wir schließlich im Schatten in der Hoffnung, dass die immer zahlreicher erscheinende Polizei es doch schaffen würde, die Sperren aufzulösen – dem leider nicht so war. Wir konnten sie jedoch dabei beobachten, wie sie in den umliegenden Hügeln Tränengaspatronen auf Demonstranten warfen und andere der Lastwagenfahrer abtransportierten, mit Maschinengewehren auf sie zielend. Schlussendlich war uns der Weg durch den Bloqueo, der angeblich über 5 Stunden dauerte, doch zu riskant und wir kehrten etwas betrübt, jedoch mit reichlich Adrenalin, nach Cochabamba, später nach Independencia zurück.

Doch zurück zum eigentlichen Inhalt meines Artikels – die Osterfeiertage.
Generell unterscheidet sich Ostern in seinen Messen und Bräuchen hier in Independencia für mich nicht allzu sehr in dem, was ich aus meiner Kirchengemeinde in Schwarzenbach kenne. Jedoch möchte ich ein bisschen näher auf zwei Gottesdienste beziehungsweise kirchliche Umzüge eingehen, die hier im Zusammenhang mit Ostern stattgefunden haben und mir besonders gut gefallen haben.
Jeden Freitagabend während der Fastenzeit fand in Independencia ein Kreuzweg statt, welcher an oder besser gesagt in der Kirche anfing und jede Woche zu einer anderen Kapelle oder besonderen Platz um Independencia führte. Besonders schön fand ich den Kreuzweg, der hoch zu Tochloluni – einer Art Aussichtsplattform 60 Gehminuten von Independencia – führte. Besonders war, dass an diesem Kreuzweg die über 700 Schüler und Lehrer des Colegio Bolivano-Aleman aufgefordert wurden, teilzunehmen. So bereiteten einige Schüler sogar zwei metergroße Kreuze vor, welche dann ein Schüler, der die Rolle des Jesus einnahm, den Berg nach Tochloluni hoch schleppen musste. Am Ende des Weges angelangt wurden die Holzkreuze schlussendlich aufgestellt und mit Steinen, welche während des Umzugs von allen Beteiligten am Wegrand aufgesammelt wurden, befestigt.20160318_171412

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Besonders beeindruckend fand ich auch den Palmsonntag, den “Domingo de Ramos”.
Bereits frühs um 7 wurde ich von den aufgeregten Schreien der Internatsschüler vor meinem Fenster geweckt. Sie waren auf der Suche nach Blumen, denn jeder durfte seinen eigenen “Ramos” für die vormittägliche Messe mit dem Palmsonntagsumzug herrichten. Dazu wurden Stiele von Choclo (eine Maissorte, welche ich aus Deutschland jedoch nicht kenne) mit allerlei Blumen, welche im Innenhof und Garten des Centro Social zu finden waren, geschmückt. Für die Schüler war das ein Riesenspaß – einzig und allein an diesem Tag durften sie wirklich jede Blume, welche auf dem Gelände des Internats wuchs, abreißen und für ihre Ramos verwenden. Um 9 Uhr fing dann auch der Umzug an, welche durch die “Hauptstraße” Independencias führte. Dazu gab es sogar ein Pferd (ein Esel war wohl nicht aufzutreiben 😀 ), welches den Jesus bis zum Kircheneingang trug. Danach fand die Palmsonntagsmesse mit den traditionellen “Quetschualiedern” mit ihrem total eigenen Rhythmus und Klang statt.
Übrigens fand auch Gründonnerstag die Messe des letzten Abendmals, Karfreitag ein Karfreitagsumzug mit anschließender Messe und Samstagabend die Osternacht statt, wie man es aus Deutschland kennt.DSC00404

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Interessant ist außerdem, dass den meisten Leuten hier in Independencia der Brauch des Osterhasen und der Ostereier gänzlich unbekannt ist. In den großen Städten Bolivien, wie zum Beispiel Cochabamba, verbreiten sich diese westlichen Bräuche jedoch immer – vor allem hat das leider aber wohl mit der Kommerzialisierung von Ostern zu tun.
Adriana und ich haben aber trotzdem beschlossen, den Mitarbeitern des Sozialzentrums einen kleinen selbstgebastelten Osterhasen mit Bonbons (als Eier) zu schenken und es wurde auch mit allen Anwesenden des Internates (die meisten Schüler sind jedoch über die Osterfeiertage zu ihren Familien aufs Land gefahren) Ostereier bemalt.DSC00571DSC00564

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Liebe Grüße
Que les vaya bien

Luzia