Todos Santos

Hallo ihr,

endlich haben wir es mal wieder geschafft, einen kleinen Bericht für euch zu verfassen!
Diesmal geht es um Todos Santos (zu deutsch Allerheiligen), das hier, ganz anders als man es aus Deutschland kennt, Anfang November ausgiebig gefeiert wird. Hierzu kommt, wie bei uns an Weihnachten, immer die ganze Familie zusammen, um gemeinsam die Tage zu verbringen.

So kam es sogar, dass Vinzenz und Philipp, die beiden Freiwilligen aus Cochabamba die lange Busfahrt nach Independencia auf sich nahmen, um dieses Fest hier mitzuerleben. Denn Todos Santos ist in unserer ländlichen Gegend von mehr Bedeutung als in den großen Städten. Auch war Carina, eine ehemalige Freiwillige, zu Besuch.

Am 1. November und somit dem ersten Feiertag von Allerheiligen spielt sich das Geschehen tagsüber noch vor allem in den Häusern ab. All diejenigen, die in den letzten Jahren einen Angehörigen verloren haben, gestalten zu dessen Gedenken einen Tisch mit allerlei Gebäck, Obst, (alkoholischen) Getränken und Bildern des Verstorbenen.

DSC05028 DSC05025
Wir selbst liefen dann – so wie es üblich ist – von Haus zu Haus, um der Toten zu gedenken. Wird man hereingebeten, darf man sich nach dem ein oder anderen Vaterunser und Ave Maria etwas von den Tischen nehmen. Auch wird einem oft Chicha (ein typisch bolivianisches Maisbier) oder andere alkohlische Getränke angeboten. So kamen wir nach einigen Stunden gut gelaunt und mit Tüten voller Essen wieder zurück zum Centro Social, um uns für den Abend, der auf dem Friedhof stattfindet, vorzubereiten.
Apropos Friedhof, der sieht hier ganz anders aus als in Deutschland, denn hier werden für die “Almas” (Seelen) sogar kleine Häuschen gebaut.

Friedhof von Independencia

Friedhof von Independencia

Doch nun weiter zu Todos Santos. Am Abend nach einer Friedhofsmesse versammelt sich das ganze Dorf vor den Gräbern, um dort weiter der Toten zu gedenken. Auch gibt es dort wie in den Häusern Opfertische mit reichlich Blumen, Essen und Trinken, um die Betenden, die vorbeikommen, zu “belohnen”. So wurde bis tief in die Nacht gefeiert.
Am nächsten Tag geht es dann genauso feucht-fröhlich am Friedhof weiter. Jedoch werden am zweiten Feiertag um 6 Uhr die Tische ganz geleert und abgebaut, denn es heißt, dass ab Einbruch der Dämmerung die Seelen wieder fortfliegen.

Das war unsere Ausbeute allein vom ersten Nachmittag!

Das war unsere Ausbeute allein vom ersten Nachmittag!

Um die Seelen dabei zu unterstützen werden am 3. Novemeber in der ganzen Stadt große Seilschauken in hohen Bäumen oder extra dafür gebauten Holzgerüsten aufgehängt.
Das Schaukeln muss man sich jedoch um einiges aufregender und gefährlicher vorstellen, als man es von Kinderspielplätzen kennt, da man mit zwei Seilen von anderen Leuten mit viel Schwung angezogen/angeschubst wird. In den letzten Jahren gab es deshalb sogar ein paar Unfälle, insbesondere bei Kindern. Dieses Jahr verlief aber glücklicherweise alles glimpflich ab.
Neben den Schaukeln wird desweiteren zu späteren Stunde mit Chicha und typisch bolivianischen Instrumenten augiebig getanzt und gesungen.

Schaukeln über Inde

Schaukeln über Inde

Alles in allem war Todos Santos für uns ein einmaliges Erlebnis und gerade deswegen so interessant, da der Umgang mit dem Tod hier um einiges offener und fröhlicher scheint!

 

Liebe Grüße

Luzia und Adriana